Griechisch - Warum Griechisch?,,Was - um Himmels willen - kann man denn mit Griechisch anfangen?"Diesem Vorurteil müssen sich Schüler wie Lehrer des Altgriechischen immer wieder stellen. Welche Gründe gibt es, nach Latein noch eine zweite Sprache zu lernen, die in dieser Form nicht mehr gesprochen wird? In der Tat gibt es nur wenige praktische Vorteile. Dazu gehören u. a.:
Griechisch lernen heißt aber nicht nur, die Sprache, Grammatik und Vokabeln zu lernen, son-dern sich mit den Anfängen europäischer Literatur und Kultur auseinanderzusetzen. Das erste Zeugnis literarischer Kunst überhaupt sind die Epen Homers aus dem 8. Jh. v. Chr. Über mehrere Jahrhunderte hinweg bewegten die Griechen immer wieder die Grundfragen men-schlicher Existenz. In den Werken griechischer Autoren sind diese Fragen stets präsent und haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren:
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Werner Heisenberg, Physiker und Nobelpreisträger, hat einmal gesagt: "Das aber, was das griechische Denken vom ersten Augenblick an unterschieden hat vom Denken anderer Völ-ker, war die Fähigkeit, eine gestellte Frage ins Prinzipielle zu wenden und damit zu Gesichts-punkten zu kommen, die das bunte Vielerlei von Erfahrung ordnen und dem menschlichen Denken zugänglich machen können. (...) Wer sich mit der Philosophie der Griechen be-schäftigt, der stößt also auf Schritt und Tritt auf diese Fähigkeit zur prinzipiellen Fragestel-lung, und er kann sich so beim Lesen der Griechen im Gebrauch des stärksten geistigen Werkzeugs üben, das abendländisches Denken hervorgebracht hat. Insofern kann man also sa-gen, dass wir auch im humanistischen Gymnasium etwas sehr Nützliches lernen." Das Schulfach Griechisch ist in der Reihe der allgemeinbildenden Fächer fest etabliert. Eine fundierte und breit angelegte Allgemeinbildung sind für jeden von Vorteil, auch für Naturwissenschaftler.
,,Ist Griechisch nicht viel schwerer als andere Sprachen?"Das griechische Alphabet lässt sich innerhalb kürzester Zeit lernen. Schon nach zwei bis drei Wochen ist jeder in der Lage, griechische Texte einigermaßen flüssig zu lesen. Viele Voka-beln muss man gar nicht lernen, weil sie in eine Wortfamilie gehören und deswegen leicht ab-zuleiten sind. Die Grammatik entspricht weitgehend der des Lateins. Wer also mit Latein wenig Schwierigkeiten hat, wird auch mit Griechisch kaum Probleme haben. Der Bestand an Formen und unregelmäßigen Verben entspricht in etwa dem des Französischen. Griechisch ist also nicht schwerer oder leichter als andere Sprachen. ,,Wie läuft denn Griechischunterricht ab?"Der Griechischunterricht beginnt in Klasse 9. Die Spracherwerbsphase dauert ca. zwei Jahre, so dass Klasse 11 der Lektüre vorbehalten bleibt. In Klasse 12 und 13 kann Griechisch fakul-tativ fortgesetzt werden. Das attraktive Lehrbuch HELLAS (Verlag C. C. Buchner, Bamberg) bietet bereits während des Spracherwerbs die Möglichkeit, viele Aspekte griechischer Kultur (Mythologie, Kunst, Philosophie, etc.) zu behandeln. Der Übergang vom Lehrbuch zur Ori-ginallektüre wird durch sog. Übergangslektüre erleichtert. Das sind Texte von geringerem Schwierigkeitsgrad, meist vom Herausgeber bearbeitet. In Klasse 11 sollen durch entspre-chende Auswahl die Bereiche Philosophie, Geschichtsschreibung, Epos und Tragödie abge-deckt werden, also Texte von Platon, Herodot, Homer und Sophokles. von Michael Falk
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